Die passende Kimono-Größe zu finden, wirkt am Anfang oft kompliziert. Anders als bei gewöhnlicher Kleidung gibt es bei traditionellen japanischen Kimono meistens keine vertrauten Größen wie S, M oder L. Stattdessen entscheiden mehrere einzelne Maße darüber, ob ein Kimono wirklich gut sitzt.
Besonders beim Kauf von Vintage- und Secondhand-Kimono reicht es nicht, nur auf die angegebene Körpergröße zu achten. Ein Kimono kann lang genug sein und trotzdem an der Hüfte zu schmal oder an den Armen deutlich zu kurz ausfallen.
In diesem Artikel erkläre ich, welche Maße besonders wichtig sind, was „Free Size“ tatsächlich bedeutet und worauf du vor dem Kauf achten solltest.
Dieser Guide bezieht sich hauptsächlich auf Damenkimono. Bei Herrenkimono gelten teilweise andere Regeln, da sie normalerweise ohne Ohashori getragen werden.
Was bedeutet „Free Size“ bei einem Kimono?
Viele moderne Yukata und Polyesterkimono werden als „Free Size“ oder „One Size“ angeboten. Das klingt zunächst so, als würde das Kleidungsstück jeder Person passen. In Wirklichkeit handelt es sich meistens um eine japanische Standardgröße.
Diese Größe kann für viele Personen innerhalb eines bestimmten Größenbereichs funktionieren. Sie ist jedoch nicht automatisch für jede Körpergröße, Hüftweite oder Armlänge geeignet.
Besonders größere Menschen oder Personen mit einer kräftigeren Hüfte sollten die tatsächlichen Maße genau prüfen. Auch bei einer passenden Körperlänge können die Ärmel zu kurz oder die Vorderteile zu schmal sein.
„Free Size“ bedeutet deshalb eher:
Eine Standardgröße mit etwas Spielraum – nicht eine Größe, die wirklich jedem Körper passt.
Verlasse dich daher nie nur auf die Bezeichnung. Bitte den Verkäufer immer um die genauen Maße des Kleidungsstücks.
Warum Kimono-Größen anders funktionieren
Ein westliches Kleidungsstück wird normalerweise so geschnitten, dass es direkt der Körperform folgt. Ein Kimono besteht dagegen aus geraden Stoffbahnen und wird beim Anziehen durch Falten, Wickeln und Binden an den Körper angepasst.
Diese Konstruktion bietet zwar etwas Flexibilität, aber nicht unbegrenzt.
Bei einem Damenkimono wird überschüssige Länge normalerweise im Hüftbereich zu einer waagerechten Falte gelegt. Diese Falte heißt Ohashori. Deshalb kann ein Kimono ungefähr so lang wie die eigene Körpergröße sein oder sogar etwas länger.
Die Breite kann jedoch nicht auf dieselbe Weise ausgeglichen werden. Wenn die Stoffbahnen den Körper nicht ausreichend überlappen, sitzt der Kimono nicht richtig und kann sich beim Gehen öffnen.
Auch die Ärmellänge lässt sich nicht einfach verändern. Ein Kimono mit sehr kurzer Yuki kann an einer größeren Person deutlich zu klein wirken, selbst wenn die Länge und Hüftweite passen.
Warum Vintage-Kimono häufig kleiner ausfallen
Viele ältere Kimono wurden für Personen angefertigt, die kleiner waren und kürzere Arme hatten als viele heutige Käuferinnen in Europa.
Das bedeutet nicht, dass jeder Vintage-Kimono klein ist. Maßgeschneiderte Stücke unterscheiden sich stark. Dennoch findet man bei älteren Kimono häufig eine kürzere Gesamtlänge, eine schmalere Körperbreite und eine kürzere Yuki.
Besonders die Armlänge fällt beim Anprobieren schnell auf. Ein Vintage-Kimono kann am Körper gut passen, während die Ärmel deutlich vor dem Handgelenk enden.
Bei einer Körpergröße von etwa 170 Zentimetern ist es deshalb oft schwieriger, einen ausreichend langen Vintage-Kimono mit passender Yuki zu finden. Unmöglich ist es nicht, aber die Maße müssen sorgfältiger geprüft werden.
Manche Kimono besitzen innerhalb der Nähte noch zusätzliche Stoffreserven. Eine erfahrene Änderungsschneiderei kann den Kimono eventuell verlängern oder verbreitern. Das ist jedoch nicht bei jedem Stück möglich und kann teuer werden.
Die drei wichtigsten Maße bei der Kimono-Größe
Für eine erste Einschätzung sind vor allem drei Bereiche wichtig: die Gesamtlänge, die Körperbreite und die Armlänge.
1. Mitake: die Gesamtlänge des Kimono
Die Mitake, auf Japanisch 身丈, bezeichnet die Länge des Kimono vom oberen Rückenbereich bis zum Saum.
Bei Damenkimono liegt eine gut tragbare Mitake häufig ungefähr in der Nähe der eigenen Körpergröße. Einige Zentimeter Unterschied können dennoch funktionieren. Das hängt unter anderem von der Hüftweite, der Länge des Oberkörpers, der gewünschten Größe des Ohashori und der eigenen Anziehtechnik ab.
Ein etwas längerer Kimono lässt sich meist leichter anpassen als ein deutlich zu kurzer. Überschüssige Länge kann im Ohashori aufgenommen werden.
Ist der Kimono zu kurz, wird das Ohashori sehr schmal oder verschwindet vollständig. Für bestimmte moderne oder informelle Stylings kann das akzeptabel sein. Für eine klassische Passform sollte jedoch genügend Länge vorhanden sein.
Bei Herrenkimono ist die Situation anders. Sie werden normalerweise ohne Ohashori getragen und müssen deshalb wesentlich genauer zur Körperlänge passen.
2. Mihaba: die Breite im Hüftbereich
Die Körperbreite wird häufig als Mihaba, auf Japanisch 身幅, bezeichnet. Verkäufer geben manchmal auch die einzelnen Maße Maehaba für die vordere Stoffbahn und Ushirohaba für die hintere Stoffbahn an.
Für die Passform ist nicht nur die Taille wichtig, sondern vor allem die breiteste Stelle des Körpers. Bei vielen Menschen ist das die Hüfte.
Wenn der Kimono zu schmal ist, reicht das linke Vorderteil nicht weit genug um den Körper. Gleichzeitig bietet das darunterliegende rechte Vorderteil nicht genügend Abdeckung. Der Kimono kann dann beim Sitzen oder Gehen aufgehen.
Eine größere Körperbreite ist häufig leichter zu tragen als eine zu kleine. Zusätzlicher Stoff kann beim Anziehen teilweise ausgeglichen werden. Fehlt Stoff, gibt es dagegen kaum Spielraum.
Frage bei Unsicherheit nach, für welche maximale Hüftweite der Kimono empfohlen wird. Noch besser ist es, die Maße mit einem Kimono zu vergleichen, der dir bereits gut passt.
3. Yuki: Schulter- und Armlänge
Die Yuki, auf Japanisch 裄, wird von der Mitte des Nackens über die Schulter bis zum Ende des Ärmels gemessen.
Sie entscheidet darüber, wie weit der Kimonoärmel über den Arm reicht. Bei westlicher Kleidung erwartet man häufig, dass ein Ärmel bis zum Handgelenk reicht. Bei einem Kimono darf er etwas kürzer sein. Ein großer Abstand zum Handgelenk kann jedoch so wirken, als sei der Kimono deutlich zu klein.
Um deine eigene Yuki zu messen, halte den Arm leicht seitlich und etwas nach unten. Miss dann von der Mitte des Nackens über die Schulter bis zum gewünschten Ärmelende.
Achte darauf, dass Verkäufer Yuki nicht immer exakt auf dieselbe Weise messen. Bei wichtigen Käufen lohnt es sich, nach einem Foto mit Maßband zu fragen.
Zusätzlich solltest du die Sodetake, also die senkrechte Ärmellänge, kontrollieren. Sie ist besonders wichtig, wenn du bereits ein Nagajuban besitzt oder Kimono und Nagajuban miteinander kombinieren möchtest.
Häufige Fehler bei der Wahl der Kimono-Größe
Nur nach der Körpergröße auswählen
Ein häufiger Fehler ist, ausschließlich die Mitake mit der eigenen Körpergröße zu vergleichen.
Die Länge ist wichtig, sagt aber nichts darüber aus, ob der Kimono an der Hüfte ausreichend überlappt oder ob die Ärmel lang genug sind.
Eine Person kann einen Kimono mit passender Mitake finden, der trotzdem nicht tragbar ist, weil die Körperbreite fehlt. Umgekehrt kann ein etwas kürzerer Kimono gut funktionieren, wenn Breite und Yuki passen und noch genügend Stoff für ein kleines Ohashori vorhanden ist.
Prüfe deshalb immer mindestens Mitake, Körperbreite und Yuki zusammen.
Sich vollständig auf „Free Size“ verlassen
„Free Size“ ist keine verlässliche Größenangabe. Zwei Kimono mit dieser Bezeichnung können unterschiedliche Maße haben.
Auch moderne Standardgrößen unterscheiden sich je nach Hersteller. Manche sind großzügig geschnitten, andere orientieren sich stärker an kleineren japanischen Konfektionsmaßen.
Lies deshalb nicht nur die Produktüberschrift. Suche nach Angaben in Zentimetern und frage nach, wenn diese fehlen.
Nur wegen des Musters kaufen
Ein wunderschönes Muster kann dazu verleiten, die Maße weniger genau zu prüfen. Nach dem Kauf stellt sich dann heraus, dass der Kimono zu kurz, zu eng oder an den Armen deutlich zu klein ist.
Natürlich soll dir der Kimono gefallen. Trotzdem sollte zuerst geprüft werden, ob er grundsätzlich tragbar ist.
Ein schönes Stück, das dauerhaft im Schrank bleibt, ist am Ende oft weniger wertvoll als ein etwas schlichterer Kimono, den du bequem und regelmäßig tragen kannst.
Die Größe des Nagajuban ignorieren
Nicht nur der Kimono selbst muss passen. Auch das darunter getragene Nagajuban sollte mit seinen Maßen kompatibel sein.
Die Yuki des Nagajuban ist normalerweise etwas kürzer als die des Kimono, damit die Jubanärmel nicht hervorstehen. Gleichzeitig sollten Form und Länge der Ärmel zueinander passen.
Ist der Nagajubanärmel zu lang, kann er unter dem Kimono sichtbar werden. Ist er zu kurz oder zu klein, sitzt er möglicherweise nicht richtig im Kimonoärmel.
Prüfe deshalb besonders Yuki und Sodetake von Kimono und Nagajuban.
So kannst du deine Kimono-Größe grob einschätzen
Miss zuerst deine Körpergröße, deine Hüfte an der breitesten Stelle und deine Yuki.
Für einen Damenkimono kannst du dich grob an folgenden Punkten orientieren:
Die Mitake sollte ungefähr in der Nähe deiner Körpergröße liegen. Einige Zentimeter mehr oder weniger können je nach Körper und Anziehtechnik funktionieren.
Die angegebene Hüftweite sollte mindestens deiner tatsächlichen Hüftweite entsprechen. Ein wenig zusätzlicher Spielraum ist meist angenehmer als eine sehr knappe Passform.
Die Yuki sollte zu deiner Schulter- und Armlänge passen. Vergleiche sie nicht nur mit einer Jackengröße, sondern miss deinen Körper tatsächlich vom Nacken bis zum gewünschten Ärmelende.
Diese Orientierung ersetzt keine genaue Prüfung. Sie hilft dir jedoch, offensichtlich zu kleine Stücke schneller auszusortieren.

Was tun, wenn der Kimono etwas zu klein ist?
Ob ein etwas zu kleiner Kimono noch tragbar ist, hängt davon ab, welches Maß betroffen ist.
Ein geringfügig zu kurzer Damenkimono kann eventuell mit einem kleineren Ohashori getragen werden. Manche Menschen tragen informelle Kimono auch ohne deutlich sichtbares Ohashori.
Bei einer kurzen Yuki kann die Kragenposition leicht angepasst werden, um etwas mehr Länge zu gewinnen. Dadurch verändert sich jedoch auch der Sitz des Kimono. Große Unterschiede lassen sich damit nicht ausgleichen.
Eine zu geringe Körperbreite ist schwieriger. Wenn die Vorderteile nicht ausreichend überlappen, gibt es beim Anziehen kaum eine gute Lösung.
Bei wertvollen Kimono kann geprüft werden, ob noch Stoffreserven in den Nähten vorhanden sind. Änderungen sollten jedoch von jemandem ausgeführt werden, der Erfahrung mit der Konstruktion traditioneller Kimono hat.
Tipps für den Online-Kauf

Bei Online-Angeboten sollten die Maße klar angegeben sein. Gute Produktbeschreibungen enthalten mindestens Mitake, Yuki und Angaben zur Körperbreite.
Achte außerdem darauf, ob die Maße am flach liegenden Kleidungsstück genommen wurden und von welchem Punkt aus gemessen wurde.
Fotos mit Maßband sind besonders hilfreich. Bei privaten Verkäufern solltest du nachfragen, wenn nur eine allgemeine Größe genannt wird.
Vergleiche die Maße außerdem nicht mit einem Kleid oder Mantel. Ein Kimono wird anders konstruiert und anders getragen. Am zuverlässigsten ist der Vergleich mit einem Kimono, der dir bereits passt.
Falls du noch keinen besitzt, kannst du vor dem Kauf deine Körpermaße nehmen und den Verkäufer um eine Einschätzung bitten.
Abschließende Gedanken
Die passende Kimono-Größe lässt sich nicht mit einer einzigen Zahl bestimmen. Körpergröße, Hüftweite und Yuki müssen gemeinsam betrachtet werden.
Besonders bei Vintage-Kimono lohnt es sich, geduldig zu suchen. Viele Stücke sind wunderschön, aber nicht jedes wurde für die eigenen Körpermaße gefertigt.
Nimm dir Zeit, die Angaben zu vergleichen, und frage nach, wenn Maße fehlen. Ein Kimono, der gut passt, lässt sich leichter anziehen, bleibt besser in Form und fühlt sich beim Tragen wesentlich angenehmer an.
Du möchtest lernen, wie du deine Maße richtig bestimmst oder einen vorhandenen Kimono besser einschätzt? In meinen Kimono-Kursen beschäftigen wir uns nicht nur mit dem Anziehen, sondern auch mit Passform, Zubehör und der Auswahl geeigneter Kimono.

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