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Kimono ist etwas, das man erlebt

Einen echten japanischen Kimono kaufen: 9 Tipps für Anfänger

Einen Kimono zu kaufen ist nicht ganz so einfach wie der Kauf eines gewöhnlichen Kleidungsstücks. Es gibt verschiedene Kimonoarten, japanische Größenangaben, unterschiedliche Materialien und eine ganze Reihe an Zubehör, das auf den ersten Blick oft gar nicht sichtbar ist.

Hinzu kommt, dass im Deutschen auch Morgenmäntel, Cardigans und lose Überwürfe häufig als „Kimono“ bezeichnet werden. In diesem Artikel geht es deshalb ausschließlich um traditionelle japanische Kimono.

Gerade bei Vintage- und Secondhand-Kimono kann die Auswahl überwältigend sein. Viele Stücke sehen auf den Fotos wunderschön aus, aber es fehlen Maße, Angaben zum Zustand oder Hinweise darauf, zu welchem Anlass sie getragen werden können.

Hier erfährst du, worauf du achten solltest, wenn du einen echten japanischen Kimono kaufen möchtest.

1. Überlege zuerst, wann du den Kimono tragen möchtest

Bevor du dich für ein Muster oder eine Farbe entscheidest, solltest du überlegen, wofür du den Kimono tragen möchtest.

Ein Yukata ist ein leichter, ungefütterter Baumwollkimono, der vor allem im Sommer getragen wird. Er eignet sich gut für Matsuri, Feuerwerke, Sommerfeste oder entspannte Treffen. Für viele Anfänger ist ein Yukata der einfachste Einstieg, weil weniger Zubehör benötigt wird und das Anziehen etwas unkomplizierter ist.

Ein Komon ist ein eher informeller Kimono mit einem Muster, das sich über den gesamten Stoff verteilt. Er kann zum Beispiel für einen Cafébesuch, einen Ausflug, eine Ausstellung oder ein Treffen mit anderen Kimono-Freunden getragen werden.

Ein Iromuji ist ein einfarbiger Kimono ohne auffälliges Muster. Je nach Stoff, Wappen und Kombination kann er unterschiedlich formell getragen werden. Auch für Teezeremonie ist ein Iromuji häufig eine gute Wahl.

Hōmongi und Tsukesage sind eleganter und werden zu festlicheren Anlässen getragen. Furisode mit ihren langen Ärmeln sind besonders formell und traditionell für junge, unverheiratete Frauen gedacht. Tomesode gehören ebenfalls zu den formellsten Kimonoarten und werden häufig bei Hochzeiten getragen.

Der schönste Kimono bringt dir wenig, wenn er nicht zu den Gelegenheiten passt, bei denen du ihn tatsächlich tragen möchtest.

2. Neu oder gebraucht kaufen?

Ein neuer Kimono kann sehr teuer sein. Deshalb beginnen viele Menschen mit einem gebrauchten oder Vintage-Kimono. Das ist nicht nur günstiger, sondern bietet auch eine sehr große Auswahl an Farben, Mustern und Stoffen.

Ein gebrauchter Kimono ist jedoch nicht automatisch ein Schnäppchen. Manche Stücke wurden jahrzehntelang gelagert und können Flecken, Verfärbungen, offene Nähte oder einen starken Geruch haben. Besonders Seide kann mit der Zeit empfindlich werden, auch wenn der Kimono auf den ersten Blick gut aussieht.

Für Anfänger kann ein moderner Polyesterkimono eine praktische Alternative sein. Polyester ist meist pflegeleichter und weniger empfindlich gegenüber Feuchtigkeit. Allerdings fühlt er sich anders an als Seide und kann sich beim Tragen wärmer anfühlen.

Seide ist also nicht automatisch die beste Wahl für den ersten Kimono. Wichtig ist, dass der Kimono zu deinem Alltag, deinem Budget und deiner Erfahrung passt.

3. Wo kann man einen echten Kimono kaufen?

Kimono werden inzwischen auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern verkauft. Der Vorteil ist, dass Versand und Rückgabe meist einfacher sind. Außerdem fallen innerhalb der EU normalerweise keine zusätzlichen Einfuhrabgaben an.

Die Auswahl ist in Europa allerdings deutlich kleiner als in Japan. Wer direkt bei einem japanischen Shop bestellt, findet oft viel mehr Vintage-Kimono, Obi und Zubehör.

Vor einer Bestellung aus Japan solltest du überprüfen, ob der Shop international versendet und welche Versandkosten entstehen. Zusätzlich können Einfuhrumsatzsteuer, Zollabwicklung und Gebühren des Versanddienstleisters anfallen.

Auch Rücksendungen nach Japan können teuer sein. Deshalb solltest du die Maße, Fotos und Zustandsbeschreibung vor dem Kauf sehr genau prüfen.

Bei privaten Verkäufern oder Plattformen wie eBay, Etsy oder Vinted ist besondere Vorsicht sinnvoll. Nicht jeder Verkäufer kennt die korrekten Bezeichnungen oder weiß, wie ein Kimono ausgemessen wird. Frage lieber einmal mehr nach, wenn wichtige Informationen fehlen.

4. Die richtige Kimono-Größe verstehen

Bei einem traditionellen Kimono solltest du dich nicht auf Größenangaben wie S, M, L oder „One Size“ verlassen. Entscheidend sind die tatsächlichen Maße des Kleidungsstücks.

Die Mitake ist die Gesamtlänge des Kimono. Sie wird normalerweise vom Rücken unterhalb des Kragens bis zum Saum gemessen. Ein Kimono darf länger als deine Körpergröße sein, weil die zusätzliche Länge beim Anziehen in der Hüfte gefaltet wird. Diese Falte nennt man Ohashori.

Die Yuki ist das Maß von der Rückenmitte bis zum Ende des Ärmels. Sie bestimmt, wie weit der Ärmel über deinen Arm reicht.

Die Sodetake bezeichnet die vertikale Länge des Ärmels. Bei Furisode ist sie deutlich länger als bei einem gewöhnlichen Damenkimono.

Für die Passform am Körper sind außerdem die Breitenmaße wichtig. Dazu gehören unter anderem Maehaba und Ushirohaba, also die Breite der vorderen und hinteren Stoffbahnen.

Viele Anfänger achten nur auf die Körpergröße. In Wirklichkeit ist jedoch häufig die Hüftweite entscheidender. Wenn der Kimono zu schmal ist, überlappen die Vorderseiten nicht ausreichend. Dann kann er trotz passender Länge nicht richtig angezogen werden.

Bitte den Verkäufer deshalb um die vollständigen Maße, wenn sie nicht angegeben sind. Ein Foto mit Maßband ist oft hilfreicher als eine allgemeine Größenbezeichnung.

5. Zustand und Qualität richtig beurteilen

Bei einem Secondhand-Kimono solltest du die Fotos möglichst vergrößern und nicht nur auf das Muster achten.

Besonders häufig finden sich Flecken am Kragen, an den Ärmeln, im unteren Bereich des Kimono und auf dem Futter. Auch Schweißspuren unter den Armen oder Verfärbungen an Stellen, die lange gefaltet waren, kommen vor.

Ein verfärbtes Futter bedeutet nicht immer, dass der gesamte Kimono untragbar ist. Bei älteren Seidenkimono kann sich das Futter im Laufe der Jahre gelblich verändern. Trotzdem solltest du prüfen, ob die Verfärbung gleichmäßig ist oder ob es sich um Feuchtigkeits- beziehungsweise Schimmelschäden handeln könnte.

Achte außerdem auf offene Nähte, kleine Löcher, gezogene Fäden und dünn gewordene Stoffstellen. Stickereien, Goldfäden und aufgeklebte Verzierungen können sich mit der Zeit lösen.

Auch der Geruch ist wichtig. Alte Kimono können nach Lagerung, Räucherstäbchen, Mottenmitteln oder Feuchtigkeit riechen. Manche Gerüche verschwinden nach vorsichtigem Auslüften, andere bleiben sehr hartnäckig.

Japanische Verkäufer verwenden häufig Zustandsangaben wie „gut für das Alter“ oder „noch tragbar“. Das bedeutet nicht unbedingt, dass das Stück fleckenfrei ist. Lies deshalb die Beschreibung genau und frage nach zusätzlichen Bildern.

6. Wie viel sollte ein Kimono kosten?

Die Preise für Kimono unterscheiden sich stark. Material, Alter, Zustand, Verarbeitung, Künstler, Färbetechnik und Formalitätsgrad spielen dabei eine Rolle.

Ein günstiger Vintage-Kimono kann bereits für einen kleinen Betrag erhältlich sein. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass er für dich geeignet ist. Wenn er nicht passt, stark verschmutzt ist oder professionell gereinigt werden müsste, kann ein vermeintliches Schnäppchen am Ende teuer werden.

Bei der Budgetplanung solltest du nicht nur den Kimono selbst berücksichtigen. Häufig benötigst du zusätzlich einen Obi, ein Nagajuban, verschiedene Bänder, Obi-Zubehör, Tabi und passende Schuhe.

Bei einer Bestellung aus Japan kommen möglicherweise Versandkosten und Einfuhrgebühren hinzu.

Für den ersten Kimono ist es oft besser, ein tragbares Stück in gutem Zustand zu kaufen, anstatt möglichst günstig einzukaufen. Ein etwas schlichterer Kimono, der gut passt und sich leicht kombinieren lässt, wird dir wahrscheinlich mehr Freude machen.

7. Was brauchst du zusätzlich zum Kimono?

Ein Kimono allein ist noch kein vollständiges Outfit.

Unter dem Kimono wird normalerweise ein Nagajuban getragen. Daran befindet sich der Han’eri, der sichtbare Kragen unter dem Kimono. Außerdem werden mehrere Koshihimo und häufig ein Datejime benötigt, um die einzelnen Schichten zu befestigen.

Zum Kimono gehört ein passender Obi. Welche weiteren Teile benötigt werden, hängt von der Obi-Art und dem gewünschten Knoten ab. Häufig werden eine Obi-ita, ein Obimakura, ein Obiage und ein Obijime verwendet.

Dazu kommen Tabi-Socken und je nach Anlass Zōri oder Geta.

Viele Menschen kaufen zuerst einen Kimono und merken erst später, dass ihnen noch fast das gesamte Zubehör fehlt. Prüfe deshalb vor dem Kauf, welche Teile bereits vorhanden sind und welche du noch benötigst.

Auch beim Obi solltest du auf die Formalität achten. Nicht jeder Obi passt zu jeder Kimonoart. Ein sehr formeller Obi kann zu einem lässigen Komon unpassend wirken, während ein einfacher Hanhaba-Obi für einen festlichen Hōmongi meist nicht ausreichend formell ist.

8. Häufige Fehler beim Kimono-Kauf

Einer der häufigsten Fehler ist, einen Kimono ausschließlich wegen seines Musters zu kaufen. Natürlich soll dir das Design gefallen, aber Größe, Zustand und Verwendbarkeit sind mindestens genauso wichtig.

Ein weiterer Fehler ist, nur die Länge zu überprüfen. Ein Kimono kann lang genug sein und trotzdem im Hüftbereich zu schmal sein.

Manchmal werden Nagajuban, Haori oder lange Übergewänder fälschlicherweise als Kimono angeboten. Achte deshalb auf die Form, das Material und die Beschreibung des Kleidungsstücks.

Auch versteckte Flecken werden leicht übersehen. Wenn ein Kimono auf allen Fotos gefaltet ist, bitte um Bilder des gesamten Vorder- und Rückenteils. Besonders der Kragen, die Ärmelenden und der Saum sollten gut sichtbar sein.

Vergiss außerdem nicht, die Gesamtkosten zu berechnen. Ein günstiger Kimono kann durch Versand, Importgebühren, Zubehör und mögliche Änderungen deutlich teurer werden.

9. Reinigung und Aufbewahrung

Ein Seidenkimono sollte nicht einfach in der Waschmaschine gewaschen werden. Wasser, Hitze und Waschmittel können dazu führen, dass die Seide einläuft, ihre Struktur verändert oder Farbe verliert.

Auch Fleckenentferner und Hausmittel können problematisch sein. Selbst wenn ein Produkt grundsätzlich für Seide geeignet scheint, können Färbung, Goldverzierungen, Stickereien oder das Futter unterschiedlich reagieren.

Nach dem Tragen solltest du den Kimono eine Weile an einem gut belüfteten Ort auslüften lassen. Vermeide dabei direktes Sonnenlicht, da die Farben ausbleichen können.

Anschließend wird der Kimono traditionell gefaltet und trocken gelagert. Kontrolliere ihn regelmäßig auf Feuchtigkeit, Flecken und Insekten. Besonders in feuchten Räumen sollte er nicht über lange Zeit ungeprüft liegen bleiben.

Bei starken oder alten Flecken ist eine professionelle Reinigung durch jemanden mit Erfahrung mit traditionellen japanischen Textilien meist die sicherste Lösung.

Abschließende Gedanken

Dein erster Kimono muss nicht der teuerste oder formellste sein. Viel wichtiger ist, dass er zu deinem Körper, deinem Anlass und deinem tatsächlichen Alltag passt.

Nimm dir Zeit, die Maße und Fotos genau zu prüfen. Frage nach, wenn Angaben fehlen, und denke auch an das Zubehör, das du zum Anziehen benötigst.

Ein sorgfältig ausgewählter Kimono kann dich viele Jahre begleiten. Und je besser er passt, desto leichter und angenehmer wird auch das Anziehen.

Du bist unsicher, welche Kimonoart zu dir passt oder welches Zubehör du benötigst? In meinen Kimono-Kursen lernst du nicht nur das Anziehen, sondern auch, Größen, Materialien, Formalität und Kombinationen besser zu verstehen.

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